Albert Oehlen

07.01.1987-14.02.1987
Albert Oehlen
Abräumung
Deutsch
Week

Gastkurator: Wilfried Dickhoff

Albert Oehlen wurde 1954 in Krefeld geboren, studierte bei Sigmar Polke an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, wo er bis zu seiner Uebersiedlung nach Düsseldorf vor einem Jahr wohnte. Seit 76 arbeitet Oehlen häufig mit Werner Büttner zusammen, manchmal auch mit Martin Kippenberger, Georg Herold und Markus Oehlen, welche alle Ende 70er Jahre mit einem Programm inhaltlicher Entschiedenheit an die Oeffentlichkeit traten: Bilder sollen nicht authentisch sein, sondern taktisch richtig", "Rechts blinken – links abbiegen", sind einige der Maximen von Oehlen, Büttner und Kippenberger, dem "sprachgewaltigen, sprücheklopfenden Trio Trofernal der neudeutschen Malerei" (Patrick Frey). Die Ausstellungsliste von Albert Oehlen ist bereits lang, 1982 war er einer der "12 Künstler aus Deutschland", die in der Kunsthalle Basel vorgestellt wurden, und 1984 nahm er teil an der grossen Ueberblicksausstellung "von hier aus" in Düsseldorf. Ebenfalls Lang ist die Liste der eigenen Publikationen, die Titel tragen wie "Wahrheit ist Arbeit" (mit Büttner und Kippenberger, Museum Folkwang Essen 1984) oder "Können wir vielleicht mal unsere Mutter wiederhaben!" (mit Büttner und Herold, Kunstverein Hamburg 1986).

Der Kapf gegen Unrecht, Schlechtigkeit, Hässlichkeit und Tod und Verderben ist der "Auftrag", dem Albert Oehlen sich verpflichtet fühlt. "Wollen wir dennoch unbedingt Kunst machen, so soll die Kunst entsprechend aussehen", sagt er. Das heisst, die Kunst hat "so hässlich zu sein wie die Verhältnisse es sind". "Da wir nun aber die unbedingte Abhängigkeit und Verantwortung der Kunst gegenüber der Realität zu leugnen verbieten, andererseits aber keine Möglichkeit sehen, die Kunst in unserem Sinne wirksam werden zu lassen, gibt es nur noch eine Möglichkeit: zu versagen. . . und hier ist plötzlich Authentizität gefordert, nämlich das oben erwähnte Versagen. Hier kann Schönheit entstehen: Ein Gebet, voll unanständiger Inbrunst, das uns zwar nicht weiterhilft, aber den Weg weist. Ich spreche hier von der post-ungegenständlichen Malerei, welche die Umsetzung der prokrustischen Prinzipien in die Kunst ist."

Zur Ausstellung in der Kunsthalle Zürich, welche "Spiegelbilder" (sogenannte Combine Paintings mit in die Malerei hineinmontierten Spiegeln) von 1982–84 zeigt, schreibt der Gastkurator Wilfried Dickhoff:
Kunst ist die formale Bewältigung der INHALTE, die die Lage ("Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch") kennzeichnen: maximal wichtige Inhalte zur Form sublimiert. Albert Oehlen ist einer der ganz wenigen Künstler, die nicht nur diesen Anspruch haben, sondern auf der Ebene von Linie, Farbe, Komposition, Bildfindung, Material, also auf der Oberfläche, Lösungen vorzuschlagen haben, die jenseits von Ironie, Satire, kritischer Distanz und anderer Formen, das zu reproduzieren, wogegen man sich zu wehren glaubt, ihr ei– genes Scheitern angesichts des moralischen Auftrages als ihr Authentisches in sich tragen. Die Bilder "sind" das Elend, von dem sie handeln. In ihnen reproduziert sich mit der schlechten Lage der Realität auch die der Kunst im Verhält– nis zu dieser. Die "Spiegelbilder" sind der gelungene Wer– such, dieses doppelte Elend des gesellschaftlichen Raums (Museum, Staat, Gefängniszelle, Wohnzimmer, Atelier) und des Raums der Malerei (Raumillusion und andere Fiktionen) formal zu parieren. Sie helfen uns zwar nicht weiter, aber sie weisen uns den Weg, wie Oehlen sagt. Sie flattern nicht nur im Doppelcharakter der Malerei als verlogenem Luxus und Simulationsfetisch einerseits und als Träger des Nichtiden– tischen und der bestimmten Negation andererseits. Sie sind ein besonders extrem formulierter Versuch, "K1ärung zu schaffen, etwas Authentisches, etwas Reines in die Welt zu setzen, das man nicht mehr so schnell verschwinden lassen kann". Aber das "schönste" Ziel ist die Veränderung der schlechten Verhältnisse: "Welches Ziel, ausser der Schönheit, könnte Kunst im Auge haben. Schönheit ist in allen Bedingungen von der Wirklichkeit abhängig. Daher ist die Abschaffung der Kunst das schönste Ziel überhaupt, weil damit die Rückkoppelung der Bedingungen der Kunst auf das Leben stattgefunden hätte" (Albert Oehlen).

Wilfried Dickhoff wurde 1953 in Köln geboren, promovierte 1981 in Frankfurt mit einer Arbeit über Gottfried Benn und lebt seitdem als Kunstkritiker, Ausstellungsmacher und Publizist von Kunstbüchern (unter anderem über Rosemarie Trockel, Julian Schnabel, Jiri Georg Dokoupil, Martin Kippenberger, Gerhard Richter und Walter Dahn) in Forsbach bei Köln.

Mai

30 Sa