David Kakabadze (1889–1952)

Als Kind einer armen Familie kann Kakabadze dank der Unterstützung lokaler Philanthropen in Sankt Petersburg Naturwissenschaften studieren. Parallel zu seinem Studium, das er 1916 abschliesst, besucht er Malereikurse und recherchiert zur alten georgischen Kunst. In Sankt Petersburg trifft er die georgischen Künstler Kyrill und Ilya Zdanevič sowie Mikahïl Le Dentu. Sie führen ihn in den Kubismus und den russischen Futurismus ein, aber auch in das Werk von Niko Pirosmani, dessen Schenkenmalerei die drei Künstler 1912 entdeckt und zu sammeln begonnen haben.

David Kakabadze, Selbstportrait, 1913.

Wie die russischen Künstler Mikhail Larionov und Natalia Goncharova und die europäische Avantgarde interessieren sich diese Künstler für lokale Traditionen und Volkskunst. In ihnen erkennen sie Alternativen zu den überholten akademischen Kunststilen und Denkformen. 1917 beginnt Kakabadze mit seiner Imereti-Serie von Landschaftsbildern.


David Kakabadze, Imereti-My Mother, 1918.


David Kakabadze, Imereti, 1917.


David Kakabadze, Red Mountain, 1944.

Zurück in Tbilisi malt er 1919 zusammen mit Lado Gudiashvili und Sergei Sudeykin das Café Kimerioni aus. Kakabadze ist ebenfalls an den Wandbildern der Künstlercafés Fantastische Taverne und Pfauenschwanz beteiligt, zwei weitere wichtige Treffpunkte der Avantgarde. Zusammen mit seinem Bruder Sargis Kakabadze publiziert er im gleichen Jahr Shvidi Mnatobi, eine interdisziplinäre Zeitschrift für Kunst, Literatur, Wissenschaft, Politik und Theorie. Von der im Jahr zuvor neu geschaffenen Demokratischen Republik Georgien wird er mit anderen jungen Künstlern nach Paris zur weiteren Ausbildung geschickt.

David Kakabadze, Paris, 1920.

Kakabadze taucht in das kulturelle Leben der französischen Hauptstadt ein. Beeinflusst von den abstrakten Tendenzen, denen dort begegnet, beginnt er Metall, Spiegel, Glas und andere Materialien in seine Malerei einzufügen.

1922 entwickelt er einen stereoskopischen Filmprojektor, den er international patentieren lässt. «Als plastisches Bild ist der Film unvollkommen. Es mangelt ihm an Dreidimensionalität.» (Kakabadze) Er gründet eine Firma, die jedoch wegen mangelnden finanziellen Möglichkeiten bald Konkurs geht. Kakabadze betätigt sich des weiteren als Essayist und publiziert zwischen 1924 und 1926 im Bulletin de L’Effort moderne des Pariser Galeristen und Kunsthändlers Léonce Rosenberg diverse Artikel: Du tableau constructif, L’Art—L’Espace, Deux conceptions Spaciales (Orient et Occident). Er beteiligt sich an den Ausstellungen der Société des Artistes Indépendants und an der International Exhibition of Modern Art im Brooklyn Museum, der legendären Ausstellung 1926, die von der Société Anonyme organisiert wird, welche von Catherine Drier, Marcel Duchamp und Man Ray gegründet wurde.

1927 kehrt Kakabadze nach Georgien zurück, wo die neue sowjetische Regierung die abstrakte Kunst bereits mit einem Bann belegt hat. Er wird Professor an der Staatlichen Kunstakademie und gerät bald unter Druck, weil er es «verpasst», dem Formalismus abzuschwören und sich den Dogmen des Sozialistischen Realismus zu unterwerfen. In den nächsten Jahren malt er nicht mehr. Stattdessen entwirft Kakabadze Bühnenbilder für den führenden Theaterregisseur Kote Marjanishvili. In Ernst Tollers Theaterstück der Neuen Sachlichkeit Hoppla, wir leben! verwendet er Filmfragmente, Projektionen, Lichteffekte und Spiegelkugeln, um einen dem Kubisums ähnlichen, collageartigen Theaterraum zu schaffen. Zudem entwirft er Filmsets für Noutsa Gogoberidze (Buba, 1930), Michail Kalatosow (Salz für Svanetien, 1930) und Mikheil Chiraureli (Saba, 1931). 1931 dreht er den Dokumentarfilm Alte Denkmäler Georgiens, der heute als verschollen gilt. In den 1930er Jahren kehrt er zur Malerei und insbesondere zur Landschaftsmalerei zurück. Um den Vorgaben des sowjetischen Staates zu folgen, fügt er Elemente wie Elektrizitätswerke oder Demonstrationen mit Porträts von Lenin, Stalin und Beria in seine fast abstrakten Landschaftsbilder ein. 1948 wird Kakabadze aus der Akademie verbannt, weil er den Sozialistischen Realismus zu wenig respektiert. Er findet keine Anstellung mehr und stirbt 1952 an einem Herzinfarkt.

Kubistisches Paris:


David Kakabadze, 1920.

Sailboats:


David Kakabadze, 1921.


David Kakabadze, 1921.


David Kakabadze, 1921.


David Kakabadze, 1927.

 

Bretagne:


David Kakabadze, Bretagne, 1921.

 

Fotografie:


David Kakabadze, Mother, 1910.


David Kakabadze, The Bridge across Rioni River, 1910.


David Kakabadze, Gipsy Camp, 1910.