Rauchwaren

Anfang letztes Jahr wurde die Kunsthalle Zürich einem graphischen Redesign unterzogen. Dan Solbach und die Type Designer von Dinamo haben der Institution einen neuen Look verpasst. Johannes Breyer und Fabian Harb haben uns einen Einblick in die Entstehung und die Gedanken hinter der neuen Schrift «Rauchwaren» der Kunsthalle Zürich gegeben.

Was/Wer ist Dinamo?

Dinamo ist eine Typefoundry, die 2013 von Johannes Breyer und Fabian Harb gegründet wurde.

Wie ist die Schrift entstanden? Was sind die Einflüsse?

Die Schrift basiert lose auf einer frühen Grotesk-Schrift von Walter Käch, der in Zürich unterrichtete und unter anderem der Lehrer des berühmten Schweizer Schriftgestalters Adrian Frutiger war. In seinem Lehrmittel »Schriften, Lettering, Ecritures« von 1949 finden sich Entwürfe, die unübersehbar Einfluss auf Helvetica und Univers hatten und super Namen tragen: «Segel Club», «Röntgentherapie», «Velo». Oder eben die «Rauchwaren», in deren Dunstkreis die Kunsthalle Zürich-Schrift entstanden ist.

Was ist die Message?

Das Buch «Schriften, Lettering, Ecritures» und die Zürcher Gestaltungs-Geschichte waren zentral für unseren Entwurf, doch Tests verdeutlichten schnell dass eine 1zu1-Digitalisierung zu sehr in ihrer Zeit verhaftet bleibt. Wir haben versucht, die Schlüsselmomente der Vorlage in eine Form von heute zu giessen – die Message mag demnach als Plädoyer für einen bewussten Umgang respektive Interpretation von Geschichte und Tradition gelesen werden.

Erklärt doch mal die Proportionen

Zum einen setzt Dan Solbachs Gestaltung für die Kunsthalle stark auf Struktur – eine Titel-Version schien immer eine interessante Erweiterung zu unserem Entwurf. Zum anderen waren wir seit dem Beginn des Gestaltungsprozesses mit dabei, wodurch Schrift und Layout sich stets gegenseitig informieren konnten. Als Inhalts-schwere Inserate einen engen Satz erforderten, kam die Streichung der Unterlängen nicht nur platztechnisch, sondern auch in ihrer optischen und inhaltlichen Qualität als Verschiebungsmoment günstig.

Wieso der Name «Rauchwaren»?

Da sich unsere Schrift im Entwurfsprozess von der Vorlage entfernte, hatten wir erst Hemmungen den Namen direkt zu übernehmen. Doch die Suche nach einem vergleichbar guten Wort verlief so krampfhaft, dass wir es schlussendlich am ehrlichsten fanden, die Vorlage zu berauben.

Warum eine eigene Schrift für die Kunsthalle?

Jede Schrift, die gezeichnet wird, trägt in ihrer Kontur die Spuren des Kontextes, in dem und für den sie geschaffen wurde. Eine massangefertigte Schrift kann dazu dienen, eine kuratorische Aussage zu visualisieren oder eine konzeptionelle Absicht zu unterstreichen. Der Grafiker bekommt sein eigenes, unikates Werkzeug an die Hand, welches er kennt und wie einzusetzen weiss. Für uns als Typefoundry ist der Dialog mit dem Grafiker, in dessen Auftrag wir eine Schrift gestalten, ein willkommener Gegenpol zu unseren anderen Entwürfen, bei denen wir auf keine besondere Situation reagieren müssen.

Ursprung

 

Typo + Typo-Twist Typo + Typo-Twist

 

Corporate DesignCorporate Design

 

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Anwendung PosterAnwendung Poster

 

 

 

Lily-Pauline Koper
29.02.2016