This Week in Zürich #16

Joan Miró. Mauer, Fries, Wandbild, Kunsthaus Zürich, bis 24. Januar 2016

Über Farben und Miró zu sinnieren ist in etwa gleich originell wie laut über die im Herbst überall lauernde graue Tristesse zu schimpfen. Dennoch: Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich zum katalanischen Künstler Joan Miró ist allein schon wegen den Farbtupfern einen Besuch wert. 

Come for the color, stay for the message. Die Ausstellung setzt Mirós Faszination für die blosse gemauerte Wand an den Anfang und zeigt anhand verschiedener Werkgruppen auf, wie das Thema der Wand und deren unterschiedliche Beschaffenheit den Künstler sein ganzes Leben lang begleitet haben. (Das klingt nur dann kompliziert, wenn man nicht in der Ausstellung steht. Vor den grossen Leinwänden stehend macht das alles Sinn, versprochen.)

Das formal-inhaltliche Schwerpunktthema ist ein Glücksfall. Die Ausstellung lässt dadurch auch anderen Themensträngen Platz, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Da wären die überraschenden Emotionen Spass und Trauer, zum Beispiel. Ich hatte ja vermutet, dass Joan Miró viel Humor in seine Werke gepackt hat. (Besonders toll: Die kleinformatige blaue Malerei von 1925 mit einem daumennagelgrossen "Universum" in der linken oberen Ecke.) Dass er aber auch ein ausgesprochen politischer Mensch war und dies in seiner Malerei ganz konkret zum Thema machte, war mir neu. Die Betroffenheit des Künstlers über die Hinrichtung eines jungen katalanischen Anarchisten wird im Triptychon "Die Hoffnung des zum Tode Verurteilten I-III" von 1974 offensichtlich. Auf einmal sind die Farben ganz unwesentlich und ich ertappe mich dabei, wie ich über die aktuelle Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens nachdenke und überlege was Miró wohl dazu gemeint hätte. 

Den sehr grosszügig bemessenen Giftshop am Ende der Ausstellung kann man getrost beiseite lassen – denn hier verschwindet die eben entdeckte Radikalität des Malers wieder hinter Nippes und langweiligen Kunstdrucken. Dann doch lieber raus in den kalten Oktobernachmittag. 

Kunsthaus Zürich
2. Oktober bis 24. Januar 2016

(Rebecka Domig)


Guest Blogger
15.10.2015