Bernard Frize

21.08.1993-17.10.1993
Bernard Frize
Deutsch
Week

Der französische Künstler Bernard Frize setzt am elementarsten Ort der Malerei an, bei den instrumentalen Fakten, dem Auftrag von Farbe auf Leinwand. Die Bedingungen des klassischen Tafelbildes akzeptierend und sie mit malerischen Möglichkeiten auch reflektierend, hat seine nun seit Mitte der 70er Jahre sich erstreckende Tätigkeit nichts von akademischer Bewahrung, aber auch wenig von konzeptuell betonter Verweigerung, die im Klima des vielbeschworenen Endes der Tafelbildmalerei angesagt war. Frize sucht immer wieder lustvoll die physische Direktheit malerischer Erprobung und bleibt gleichzeitig ihren Verführungskünsten und Trugbildern gegenüber misstrauisch. Er fragt klärend nach der Möglichkeit und Notwendigkeit von Malerei, wobei das Transparentmachen und Bedenken ihrer Mittel und Methoden formal getragen erscheint in der “Musikalität des Bildes". Seine Vorgehensweise ist mehr ein eigengesetzliches Geschehen- und Entstehenlassen als ein konziser Gestaltungsakt, die Rolle des Künstlers eher die eines passionierten Beobachters und Lenkers von Bildentwicklungen.

Seine subjektiven Eingriffe werden auf das minimal nötige Mass beschränkt, damit ein Bild überhaupt existiert, und so kann Malerei entstehen, auch ohne den Pinsel zu benutzen. Atmende Bewegung, die sich sozusagen von selbst ergibt, bildet die Grundessenz seines vielgestaltigen Werkkosmos, und der Hauptakteur ist die Farbe, wie sie sich etwa dünnflüssig und leichtfüssig ausbreitet, sich gerinnend ablagert oder sich als hautartige Schicht verfestigt. Wie man sieht, ist die Botschaft eines Werkes identisch mit seinem Herstellungsmodus. So ist die experimentelle Erprobung von Bildpraktiken und nicht ein spezifisches Stilprinzip das Bindeglied eines dem ersten Anschein nach äusserst heterogen sich präsentierenden Werkganzen. Bei Frize paart sich eine analytische Seite immer mit spielerischer Gelassenheit, der Sinn für das Absurde jedes malerischen Unterfangens mit sensiblen Stimmungsräumen. Es wird erfahrbar, dass ein Bild sowohl ein vegetativer Organismus ist als auch Produkt völliger Künstlichkeit.

Monumental präsentieren sich vier für die Ausstellung in Zürich geschaffene Formate, betitelt nach Namen von Pariser Metrozügen: “Rom", Vony", "Mona", "Vick". Über den noch feuchten Harzgrund ziehen sich in entspanntem Duktus breite Pinselbewegungen aus einer Emulsion von Dispersion, Harz und Tusche. Die zusätzlich beigefügte Ingredienz “Mica" verhindert eine eigentliche Verbindung der verschiedenen GrünRot- oder Rot-Blau-Kombinationen. Durch den einfachen Handgriff, nämlich das Bild auf den Kopf zu stellen, beginnen die horizontalen, dünnflüssigen und durch den Harzzusatz transparenten Farbströme eigendynamisch zu wirken. Die Farben separieren sich, sickern, rinnen und tropfen, die Tusche gerinnt in lichtgebündelten Randzonen. Ambivalent formt sich ein halluzinatives, geradezu landschaftliches Universum für unsere Vorstellungskraft und ist doch nur abstraktes Vokabular, ein Nichts an Bedeutung.