Cameron Jamie

09.06.2013-18.08.2013
Cameron Jamie
Week

Der amerikanische Künstler Cameron Jamie (geb. 1969 in Los Angeles) zeigt in der Kunsthalle Zürich in einer umfassenden Einzelausstellung eine Werkauswahl, die die grosse mediale Vielfalt seiner künstlerischen Produktion präsentiert. Die Ausstellung umfasst mehr als zwei Jahrzehnte seines künstlerischen Schaffens und spannt einen Bogen von frühen Arbeiten – so zum Beispiel die Fotoserie Front Lawn Funerals and Cemeteries (1984 – fortlaufend), die in einer Installation präsentierte Dokumentation der Performance The New Life (1996) und die Maske Self-Portrait (1992) aus Stoff und Vinyl – bis hin zu neuesten Tuschezeichnungen und Keramikarbeiten wie Ma Blues (2012). Zum ersten Mal stellt der Künstler seine Zeichnungen, Skulpturen, Keramiken und Objekte in den direkten Dialog mit seinen Filmen BB (1998–2000), Massage the History (2007–2009) und Kranky Klaus (2002–2003), die amerikanische und auch europäische Traditionen sowie subkulturelle Lebensweisen in einer radikalen Bild-Ton-Verbindung aufgreifen.

 

Leitmotiv der Ausstellung ist die Maske, eine Figur, die über die Jahre in verschiedenen Werken Cameron Jamies immer wieder in Erscheinung tritt. Als Metapher für das dialektische Spiel des Verbergens und Enthüllens der Identität des Einzelnen steht sie für die fragile Grenze zwischen privatem und sozialem Verhalten. In Jamies frühesten Werken war die Maske eine Allegorie für das Fortleben lokaler Rituale in städtischen Gesellschaften. Cameron Jamies Skulpturen und Tusche­zeichnungen entwickeln dieses Motiv weiter, indem sie die Schichten des Körpers als Analyse- und Untersuchungsgebiet erkunden. Die Medien Zeichnung und Keramik ermöglichen dem Künstler sogar eine noch grössere Radikalität und Intimität in seinen Werken, bei denen sowohl die Unmit­telbarkeit als auch die Fragilität existentieller Themen mit Händen greifbar sind.

 

Cameron Jamies Blick auf suburbane Kulturen, seine Aneignung einheimischer Rituale und das Weiterleben obskurer, magischer Elemente in unserer Gesellschaft ist mitfühlend und analytisch zugleich. Ganz offenkundig entstammt er genau jener kaleidoskopischen Kultur, die er porträtiert. Allerdings wäre es ein Fehler, die Tatsache, dass ihn populäre Aktivitäten und Verhaltensweisen faszinieren, als eine Verwischung der Grenzen zwischen Hoch- und Trivialkultur zu deuten. Heute ist die Popkultur weitgehend akzeptiert, nicht nur hinsichtlich der etablierten Kulturproduktion, sondern auch in renommierten Kulturinstitutionen und im akademischen Bereich. Cameron Jamie interessiert sich vielmehr für die randständige Wirklichkeit und die daheim ausgeübten, amateur­haften Praktiken, die das verborgene Antlitz unserer Gesellschaft offenbaren. Neben dem Thema der Maske ist Gewalt ein weiterer stets wiederkehrender Gegenstand im Werk des Künstlers. Sie scheint in jeder Aktivität vorhanden zu sein, die der Künstler beobachtet, von seiner Heimatstadt Los Angeles bis zu den Alpendörfern Österreichs. Die subtile Präsenz der Gewalt wird vor allem in seinen filmischen Werken deutlich: In The New Life (1996) dokumentiert der Künstler seinen eige­nen, inszenierten Kampf gegen einen Michael-Jackson-Imitator. Im bekannten Film BB (1998–2000) wird die Gewalt in einer von Amateuren durchgeführten Ringkampfveranstaltung im Hinterhof eines Vorstadthauses weiter erkundet. Nicht weniger anschaulich ist der Film Kranky Klaus (2002–2003), der das jährliche Ritual des Krampuslaufes in Österreich schildert.

 

Massage the History (2007–2009), Jamies jüngster Film, bietet einen anderen Blick auf eine margi­nale Wirklichkeit und präsentiert eine private Darbietung von Amateurtänzern in ihren Wohnzim­mern in Alabama. Gleichzeitig demonstriert er eine unverhohlene Faszination der Poesie und Schönheit, die an unerwarteten Orten entsteht. Während sich die Tänzer ebenso elegant wie vielsagend bewegen und die Wohnzimmermöbel auf provozierende Weise in ihren Tanz einbezie­hen, liefert die begleitende Musik von Sonic Youth einen hypnotischen Soundtrack zu diesem Film und betont dessen fesselnde Atmosphäre. Zweifelsohne sind Musik und Klänge wesentliche Komponenten in Jamies filmischem Schaffen; so hat der Künstler auch mit Musikern wie etwa The Melvins und Keiji Haino zusammengearbeitet, die faszinierende Klanglandschaften für seine Filme schufen.

 

Die in dieser umfangreichen Ausstellung präsentierten Werke verorten den Künstler eindeutig jenseits der herkömmlichen Wege heutiger Kunstproduktion und veranschaulichen zugleich die Einzigartigkeit und Bedeutung seiner künstlerischen Praxis. Die beiden Ebenen der Kunsthalle Zürich sind so eingerichtet und arrangiert worden, dass sie die Spannung deutlich machen, die durch die Konfrontation zwischen Innen und Aussen erzeugt wird, welche diese breit gefächerte und vielfältige Werkauswahl illustriert.

 

Die in der Kunsthalle Zürich gezeigte Ausstellung von Cameron Jamie wird an weiteren Orten zu sehen sein. Weitere Informationen werden auf unserer Website veröffentlicht.