Derek Jarman. Brutal Beauty

30.08.2008-02.11.2008
Derek Jarman. Brutal Beauty
Kuratiert von Isaac Julien
Deutsch
Week

Die kommende Ausstellung „Derek Jarman. Brutal Beauty“ in der Kunsthalle Zürich ist dem britischen Künstler und Filmemacher Derek Jarman (1942-1994) gewidmet. Kuratiert wird sie von Isaac Julien, der über lange Jahre mit Jarman zusammen gearbeitet hat.
„Derek Jarman. Brutal Beauty“ will einerseits einen repräsentativen Überblick über das Schaffen Jarmans zeigen und ist doch nicht als klassische Retrospektive angelegt. Vielmehr ist es Juliens Anliegen, den interdisziplinären Ansatz Derek Jarmans erfahrbar zu machen und die kritische Aufmerksamkeit auf das Oeuvre wiederzubeleben.

Derek Jarman war einer der herausragendsten Vertreter des britischen Independent Cinema der 1970er bis 1990er Jahre. Aber obwohl er einer grösseren Öffentlichkeit vor allem als Filmemacher bekannt wurde, verstand er sich selber als Künstler, in dessen genreübergreifenden, stark autobiographisch gefärbten Werk Film, Malerei, Bühnenbild und Schreiben gleichberechtigt nebeneinander stehen. In seinem unermüdlichen Kampf um die Gleichberechtigung Homosexueller und die Aufklärung über AIDS, war sein oberstes Ziel „die Kunst mit dem Leben und das Leben mit der Kunst zu verbinden“ (Isaac Julien).

Den Auftakt der Ausstellung bildet eine Auswahl kleinformatiger Gemälden aus den 1980er und -90er Jahren. Die für die Kunsthalle Zürich entwickelte Doppelprojektion, der als Ausgangsmaterial Isaac Juliens Dokumentarfilm Derek (2008) zu Grunde liegt, gibt eine Einführung in das Werk und Leben Derek Jarmans: Er basiert auf einem Interview, das der Schriftsteller und Produzent Colin MacCabe 1990 mit Jarman geführt hatte. Erzählerin aus dem Off ist die Schauspielerin Tilda Swinton, die in zahlreichen seiner Filme wie Caravaggio (1986), The Last of England (1988) und Edward II (1991) mitspielte. Tilda Swinton liest Auszüge aus einem Brief, den sie Jarman nach dessen Tod geschrieben hat. Derek verwebt Interview, Erzählung, Ausschnitte aus Jarmans Spielfilmen sowie seinen Super-8-Filmen mit einschlägigen Nachrichten der Zeit und Medienmaterial des damalig aktuellen politischen Geschehens zu einem beeindruckenden Ganzen. So vermittelt der Film einen Überblick über Jarmans Biografie aus der Perspektive seines bevorstehenden Todes. Gleichzeitig entsteht ein Einblick in das England der 1960er bis 1990er Jahre, der gesellschaftlich brisante Themen wie die Punkbewegung, die Proteste der Intellektuellen gegen die Regierung von Margaret Thatcher, den Kampf der Homosexuellen für ihre Rechte und die AIDS Krise dokumentiert.

Der Installation werden Leuchtkästen mit Stillleben Isaac Juliens gegenübergestellt, die im Inneren des Hauses von Jarman in Dungeness aufgenommen wurden.

Den Schlusspunkt der Ausstellung bildet Jarmans Film Blue (1993): eine bewegende und erschütternde Arbeit eines Künstlers, der kurz vor dem Erblinden stand. In seinem letzten Film bleibt die Leinwand über die gesamte Dauer der Arbeit unverändert blau – eine Hommage an den französischen Maler Yves Klein, dessen Blau für Jarman Gelassenheit und Versunkenheit symbolisierte. Die Tonspur zum Film bildet ein poetischer von Jarman geschriebener und gesprochener Text, worin er das Leben und seine Erfahrungen mit AIDS künstlerisch verarbeitet und wiedergibt.

Zwischen diesen beiden zentralen Arbeiten präsentiert Isaac Julien eine Auswahl der selten gezeigten Filme aus dem Super-8-Archiv des künstlerischen Nachlasses von Jarman – so Imagining October (1984) und In the Shadow of the Sun (1980). Als Künstler, der an der Slade School of Art in London Malerei und Bühnenbild studierte, begann Jarman bereits in den frühen 1970er Jahren mit Super-8-Film zu arbeiten und experimentierte bis zu Beginn der 1980er Jahre mit diesem Medium. Jarman, der sich zeitlebens primär als Maler begriffen hat, realisiert auch im Film in der Art wie er mit Licht, Farbe, Komposition, Abstrahierung, Verfremdung und Inszenierung umgeht, einen malerischen Anspruch.

Die Arbeit It Happened by Chance Redux (2008) ist eine Zehnfachprojektion, die sich aus Footage zusammensetzt, das Jarman auf dem Boden seines Schneideraumes gefunden hat. Die Installation ist eine Weiterentwicklung der Arbeit It Happened by Chance (ca. 1976). Erstere wurde von Isaac Julien gemeinsam mit James Mackay, dem Inhaber des Archivs, kuratiert und umfasst die wichtigsten Super-8-Filme Jarmans. Formal soll in skulpturaler Anordnung der Projektionsflächen im Raum die Petersburger Hängung der Black Paintings, die in den späten 1980er Jahren in der Richard Salmon Gallery in London ausgestellt waren, nachempfunden werden.

Konzipiert und kuratiert von Isaac Julien

http://www.isaacjulien.com

Kuratorin Kunsthalle Zürich: Beatrix Ruf

“Derek Jarman. Brutal Beauty” ist eine Ausstellung der Serpentine Gallery, London in Kooperation mit der Kunsthalle Zürich und der Kunsthalle Wien.

Die Kunsthalle Zürich dankt: Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Luma Stiftung