Gilbert & George

22.02.2020-10.05.2020
Gilbert & George
The Great Exhibition, 1971–2016
Deutsch
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Gilbert & George arbeiten seit nunmehr einem halben Jahrhundert eng zusammen. Sie haben dabei ein einzigartiges und herausragendes Werk erschaffen, das bis heute von Brisanz und wegweisender Relevanz ist. Gemeinsam präsentieren nun Luma Westbau und die Kunsthalle Zürich die grosse Retrospektive THE GREAT EXHIBITION. Dieser umfassende Überblick ist in enger Zusammenarbeit mit Gilbert & George entstanden und erlaubt einen tiefen Einblick in das uferlose Universum der beiden Künstler. Die Ausstellung mit Leihgaben aus Institutionen und Privatsammlungen dauert vom 22. Februar bis zum 10. Mai 2020 (Eröffnung am 21. Februar 2020). 

Seit ihrer ersten Ausstellung in der Londoner Saint Martin's School of Art im Jahr 1967 stellen Gilbert (*1943 in den Dolomiten, Italien) und George (*1942 in Devon, UK) den künstlerischen Kanon in Frage. Als Subjekte und zugleich Objekte ihrer eigenen Kunst bilden die beiden eine künstlerische Einheit. Seit 1967 geben sich voll und ganz der Kunst hin, die sie ohne nutzlose Bedenken hingebungsvoll umarmen, um sie mit Disziplin und Phantasie ständig zu erweitern. So ist ein Oeuvre von beeindruckenden, wenn nicht gar gigantischen Dimensionen entstanden, tausende von machtvollen Bildern, die unsere Welt ohne Wenn und Aber abbilden und damit auch in die Zukunft weisen.

Mittels einer aussergewöhnlichen Sammlung von mehr als 67 Bildern umfasst THE GREAT EXHIBITION, 1971–2016 fünf Jahrzehnte einer Kunst, die stolz darauf ist, ihren Zweck deutlich kundzutun, wie ihn Gilbert & George selbst beschreiben:
«Wir wollen, dass die Kunst das Intolerante aus dem Liberalen hervorholt. Und umgekehrt das Liberale aus dem Intoleranten hervorholt.»

Tod, Hoffnung, Leben, Angst, Sex, Geld, Rasse und Religion zählen zu den Themen, die in ihren Bildern zur Sprache gebracht werden, die fröhlich und zugleich tragisch, spannend und zugleich erschreckend, grotesk und zugleich ernst, surreal und zugleich symbolisch sind.

Die Intensität der Ikonografie von Gilbert & George, die furchtlos ist und direkt zur Sache kommt, mag manche Betrachter vielleicht schockieren oder beunruhigen. Aber dennoch sind diese ungewöhnlichen Künstler nicht darauf aus zu schockieren – sie wollen eher «ent-schockieren». Sie versuchen, das zu fördern, was in uns allen bereits vorhanden ist, oder, besser noch, das sichtbar zu machen, was sich in dieser gefährlichen und dennoch wunderbaren modernen Welt unmittelbar vor unseren Augen abspielt. Von Punks zu Hipsters, von Polizisten zu Aussenseitern, von Nachrichten-Schlagzeilen zu Rubrikanzeigen aller Art erforscht das Werk von Gilbert & George eine von aller Künstlichkeit befreite Welt, wie sie von ihren magischen Augen gesehen wird. Wie grimmige und unermüdliche Wächter erstellen sie wie niemand sonst eine freche Chronik unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

THE GREAT EXHIBITION, 1971–2016 ist ebenso demokratisch, grosszügig und extravagant wie ihre Schöpfer, die Elitedenken ablehnen und eine «Kunst für alle» in der Universalität der menschlichen Gefühle befürworten. Dieser Überblick ist eine manifestartige Ausstellung, die Ausdrucksfreiheit für alle ermutigt, feiert und einfordert.

Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog, mit fünf neuen Interviews von Hans Ulrich Obrist und Daniel Birnbaum mit Gilbert & George, von denen jedes für jeweils ein Jahrzehnt ihres Schaffens steht. Die zweisprachige Ausgabe (Französich und Englisch) wird von HENI Verlag publiziert.

 

Kuratoren: Hans Ulrich Obrist und Daniel Birnbaum.

Gilbert & George: THE GREAT EXHIBITION, 1971–2016 wird von der Luma Foundation und dem Moderna Museet (Stockholm) in Zusammenarbeit mit Luma Westbau und der Kunsthalle Zürich produziert und organisiert.

Die bisherigen Stationen der Wanderausstellung waren Luma Arles (Frankreich) und das Moderna Museet (Stockholm); gegenwärtig ist sie bis zum 5. Januar 2020 im Astrup Fearnley Museet (Oslo) zu sehen.

Nach Zürich wird die nächste Station der Ausstellung das Reykjavik Art Museum in Island sein (6. Juni bis 20. September 2020).

Gilbert (*1943 in den Dolomiten, Italien) und George (*1942 in Devon, UK) leben und arbeiten in London. Sie haben gemeinsam an vielen wichtigen Gruppen- und Einzelausstellungen teilgenommen wie der 51. Internationalen Biennale von Venedig (2005), Turner Prize, London (1984), und Carnegie International, Pittsburgh (1985). Sie hatten umfangreiche Einzelausstellungen in zahlreichen Institutionen wie Whitechapel Art Gallery, London (1971–72); National Gallery, Beijing, und Shanghai Art Museum (1993); Stedelijk Museum, Amsterdam (1995–96); Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (1998); Serpentine Gallery, London und Kunsthaus Bregenz (2002); Kestnergesellschaft, Hannover (2004–05); Tate Modern, London und Haus der Kunst, München (2007); Brooklyn Museum of Art, New York, und Philadelphia Museum of Art (2008); „Jack Freak Pictures“, CAC Malaga, Museum of Contemporary Art, Zagreb, und Palais des Beaux Arts, Brüssel (2010); Deichtorhallen, Hamburg, und Kunstmuseum Linz (2011); Laznia Centre for Contemporary Art Gdansk (2011–12) sowie Museum Küppersmühle, Duisburg (2012).