Imi Giese

30.10.1993-26.12.1993
Imi Giese
Deutsch
Week

Diese Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein München und der Neuen Galerie am Joanneum in Graz entstanden ist, stellt in breiter Form das Werk des deutschen Künstlers Imi Giese vor. Sein früher Tod - 1974 im Alter von 32 Jahren - mag unter anderem eine Erklärung bieten, warum ein Werkkomplex von so hoher Substanz und Eigenständigkeit beinahe unbekannt geblieben ist. Die Aufarbeitung von Gieses Nachlass durch seine Tochter Anna Giese förderte aber auch erst jetzt eine Reihe unveröffentlichter Arbeiten und Aspekte zu Tage, die es nun zu entdecken gilt.

Sein konzeptionelles Werk, das sich der Interaktionen von Skulptur, Zeichnung, Fotografie und Projektion bediente, entwickelte sich im Kontext der Düsseldorfer Kunstakademie der sechziger Jahre mit Joseph Beuys im Aktionszentrum, dessen Student Giese von 1964-70 auch war. (Rainer) Giese - mit (Wolf) Knoebel, dem anderen Imi, eine neue Identität kreierend - hielt sich vom öffentlichen Parkett der Fluxus-Aktionen, Performances und politischen Initiativen fern, die im damaligen Zeitgeist Losung waren, und verfolgte stillere Formen der Erneuerung, Wege grundlegender Reduktion. Zeigen seine plastischen Arbeiten zwar eine Nähe zu bekannten Formen der Minimal Art, schwingen sie - mehr im Sinne von Malevitch - in intuitiver Ambivalenz und Bewegung über die materiellen und mathematischen Fakten hinweg. Die Vertreter der Minimal Art bestehen auf der reinen Objekthaftigkeit ihrer Werkelemente, deren Wirkung alleine durch Material, Masse und Beziehung sowohl zueinander als auch zum Raum bestimmt ist. Imi Giese hingegen ging zwar in minimalen Schritten vor und konstruierte einfache, meist mit Graphit beschichtete Quaderelemente, fügte sie jedoch zu Beziehungskonstellationen mit fliessenden Übergängen zu unmessbaren Dimensionen. Solcherart verschieden ausdifferenzierte Raum-Körper-Beziehungen richten in wechselnden Anordnungen den Blick auf eine komplexe Negativskulptur im Umraum, deren Unfassbarkeit einen intensiven Gegenpart darstellt zur Genauigkeit der Einzelelemente und ihrer Gruppierung.

Untersuchen Zeichnungsfolgen u.a. variable Beziehungs- und Raumverhältnisse einzelner Skulpturenelemente, so etwa Rotationen um ihre eigene Achse, zeigen mit Leuchtlackfarbe bestrichene Stäbe und Winkelformationen ein nur kurzes Phosphoreszieren von mathematischer Räumlichkeit im dunklen Raum. Diese Tendenz zur Entmaterialisierung verstärkt sich in seiner letzten Schaffensperiode, in der er überhaupt auf die physische Präsenz der Skulptur verzichtet. Zahlen aus Kunststoff bezeichnen in Interventionen vor Ort konkrete Raumverhältnisse und machen diese neuartig bewusst, ohne auf ihre architektonische Funktion zu achten. Oder Leuchtziffern bilden in der Schwärze von seriell angelegten Fotografien und Diaprojektionen Figuren, die sich im Wechsel zu transformieren scheinen.