Julia Scher

05.03.2021-23.05.2021
Julia Scher
Maximum Security Society
Deutsch
Week

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Seit den 1980ern geht Julia Scher (*1954 in Hollywood, Kalifornien, lebt in Köln) der Entstehung einer «Hochsicherheitsgesellschaft» nach. Schers Ausstellung in der Kunsthalle Zürich entlehnt ihren Titel von dem Soziologen Gary T. Marx, der die derzeitige Ära der Überwachungstechnologien und -infrastrukturen als Maximum Security Society, beschreibt. Diese erste institutionelle Überblickschau bringt eine Auswahl von mehr als zwanzig Arbeiten von Scher aus den Jahren 1987 bis 2020 zusammen. Es wird mehrere selten gezeigte Multimedia-Installationen zu sehen geben, sowie Videoarbeiten, Skulpturen, Publikations- und Internetprojekte. Scher bedient sich dieser Vielfalt an Medien um aufzuzeigen, in welchem Maß Technologien wie Videoüberwachung, Bilderkennung, und automatisierte Datenbankanfragen inzwischen alltäglich geworden sind und unsere Realität strukturieren. 

Indem sie gebräuchliche Überwachungsszenarien nachahmen, beschwören Schers Arbeiten Versprechungen von mehr Sicherheit und Bequemlichkeit. Die Installation Occupational Placement, 1989-90, gibt vor, Ausstellungsbesucher*innen auf verdächtiges Aussehen oder Verhalten zu überprüfen. Ihre Mischung aus Fehlinformation, mehrdeutigen Warnhinweisen, sowie echten und gestellten Filmaufnahmen belässt es im Unklaren welche Form von Schutz (oder Bedrohung) man dabei erwarten sollte. Die Pseudo-Marke Security by Julia, unter der Scher seit den späten 1980ern arbeitet, verweist auf die kommerziellen Interessen, die hinter vielen Überwachungsinfrastrukturen stehen. Ein Verkaufsprospekt von 1991 bietet fiktive Dienstleistungen und Produkte wie «stichprobenartige öffentliche Auswertungen» und «Verhaltens- und Produktivitätsabweichungsdetektoren», aber Scher hat auch schon Unterwäsche, Kondome und – ganz neu – Handdesinfektionsmittel unter dem Markenamen Security By Julia produziert. Diese Artikel beziehen sich auf Aspekte der Pflege und Sicherheit angesichts akuter Notlagen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, wie AIDS oder Covid-19. Was wäre nötig, um wirklich sicher zu sein, im Gegensatz zu einer Form von gefühlter Sicherheit, die in die Machtdynamiken einer Hochsicherheitsgesellschaft verstrickt ist? Schers Kunst erinnert mit Dringlichkeit daran, dass Risikobegrenzung im Namen von Sicherheit keinen Schutz birgt, sobald man auch nur wenig von der vorgegebenen Norm abweicht.

Julia Scher: Maximum Security Society wird co-kuratiert vom in New York lebenden Kurator Magnus Schaefer zusammen mit Daniel Baumann, Direktor der Kunsthalle Zürich.