Liz Larner

13.06.2020-23.08.2020
Liz Larner
below above
Deutsch
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Eröffnung am 12. Juni 2020 ab 18:00 Uhr. Anschliessend Party

Wie Phyllida Barlow, Trisha Donnelly, Nicole Eisenman, Vincent Fecteau oder Sarah Lucas, so deutet auch die kalifornische Künstlerin Liz Larner die Skulptur neu. Damit kann sie die Frage von Anwesenheit und Abwesenheit aktuell (und anders) denken, das heisst die Vermittlung des Körpers als das eigentliche Kerngeschäft der Skulptur. Ihr Ansatz ist dabei einem umfassenden historischen Wissen verpflichtet, in ihrem Werk verbinden sich etablierte und unorthodoxe Sichtweisen, aber auch eine detaillierte Kenntnis von Form, Material und ihrer Geschichte. So ist die Begegnung mit Larners Kunst immer reichhaltig und transformativ, es ist eine Begegnung, die über die Kunstgeschichte hinausgeht, die Schönheit mit einschliesst, aber auch Gewalt, Ablehnung und Eros, Kosmos, das Ausserirdische und Humor.

Augenfällig interessiert sich Larners Kunst für die Transformation von Material durch Form. Hier ist ein alter formalistischer Ansatz am Werk, der den Überzeugungen der Moderne verpflichtet ist, an welche diese Kunst jedoch nicht mehr glauben will. So steht sie dem Psychedelischen ebenso nahe wie dem Minimalismus und interessiert sich gleichermassen für Recherche, Experiment, Konzept und Kontrolle. Aber genau deswegen gelingen Larner immer wieder Arbeiten, welche die Skulptur neu definieren und uns in den Bann ziehen. below above, Larners Ausstellung in der Kunsthalle Zürich, wird dies mit Werken aus den Jahren zwischen 1988 und 2020 nachzeichnen. above präsentiert in einer konzentrierten Auswahl von Arbeiten das breite Vokabular der Künstlerin, below zeigt auf 500 m2 eine für die Kunsthalle neu geschaffene raumgreifende Installation. Darin, in Beneath and Above the Horizon, experimentiert Larner mit neuen Materialien, mit Recycling und möglichen Entwicklungen von apokalyptischem Ausmass. Es ist, wie die Künstlerin selbst schreibt, "eine Installation aus einfachen, auf wellenförmigen, mosaikartigen Gischtformationen beruhenden Formen. Diese schaumähnlichen Konstellationen aus Plastik werden hier und dort durchsetzt von glasierten Keramikobjekten, welche sich auf '2019 OK' beziehen, eine Astroidenart mit dem Übernamen 'City-Killers'. Würde diese Art Astroid mit der Erde zusammenstossen, entspräche es zehn Megatonnen von TNT. Am 25. Juli 2019 raste '2019 OK' unentdeckt knapp an der Erde vorbei." Mit Beneath and Above the Horizon öffnet Larner ein neues Kapitel in ihrem ohnehin schon sehr vielseitigen Werk – und dies gleich auf mehreren Ebenen: formal, aber auch hinsichtlich des Materials und der Grösse, wie auch inhaltlich als düstere Vision für die Zukunft unseres Planeten.

"Etwas allgemein formuliert geht es in meiner Arbeit darum, in der Welt zu sein. Verschiedene meiner Arbeiten beschäftigen sich mit verschiedenen Aspekten dieses Tuns, was gleichzeitig eben auch ein Sein ist. Weisst Du, ich will das Buchstäbliche, aber auch das Metaphorische und das Theatralische, und ich will, dass alle, die mit den Arbeiten im Raum stehen, diese fühlen. Dass sie sich bewusst werden, dass sie nachdenken, aber auch, dass es ihnen einfach passiert. Als junge Person stand ich vor der Kunst und fand es wunderbar, dass es sich einfach einstellte, einfach war. Wie es zu Dir und über Dich kommt, wie ESP [extrasensory perception, übersinnliche Wahrnehmung] (sie lacht). Manchmal ist es auch nur SP ohne E, also sinnliche Wahrnehmung ohne extra oder "über", aber das E ist schon sehr wichtig." (Liz Larner im Gespräch mit Jane Dickson in Bomb, July 1, 2006)

 

Liz Larner (*1960, Sacramento, California) lebt und arbeitet in Los Angeles.