Lorenza Longhi

12.06.2021-12.09.2021
Lorenza Longhi
Minuet of Manners
Deutsch
Week

Die Geschichte der Menschheit spiegelt sich nicht einfach – und wie oft gewünscht – in ihren Gedanken, Utopieentwürfen, vermeintlichen Helden und grandiosen Vorstellungen von Liebe, Familie und Sonnenuntergang. Stärker als uns lieb ist, spiegelt sie sich in ihrem Verhältnis zum Objekt, im Neid, den es hervorruft, im Kapital, das es bindet, in den Kriegen, die es hervoruft und im Wohlstand, den es hervorbringt. Das Objekt bietet Ersatz und erschafft ganze Imperien, von Apple über Alphabet bis Alibaba. Lorenza Longhi gehört zu einer Generation, welche im Überfluss der Objekte gross geworden ist, in einer Zeit, welche die Gesellschaft als Produkt einer kommerziellen Weltordnung verstand und versteht. Kaum irgendwo wurde dies so enthemmt durchexerziert wie in der Kunstwelt der letzten dreissig Jahre, wo Gegenstände ohne jeglichen Materialwert für Millionen gehandelt werden.

Das sind die Widersprüche, die Lorenza Longhi als Künstlerin angeht, denen sie ihre Arbeit aussetzt und die sie auch offenlegt: Teil eines Systems zu sein, das nur sich selbst dient. Darauf sind verschiedene Reaktionen denkbar, beispielsweise Zynismus, Depression, Wut, Ausstieg oder distanzierte Leidenschaft. Es scheint, dass Longhis Werk letzteren Weg beschreitet, mindestens im Moment. Es hält sich und die anderen auf Distanz, um einen Rest von Optimismus zu bewahren, ohne den es keine Veränderungen gibt. Manche mögen das romantisch bezeichnen, andere kritisch, wieder andere opportunistisch. Davon geht Longhis Werk aus, davon lebt es, damit konfrontiert es uns. Dabei lässt es die Kunst machen, was sie am besten kann: unser, im besten Sinne pervertiertes Verhältnis zum Objekt nachzeichnen. Wer will, kann daraus Konsequenzen ziehen.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Zürich inszeniert neuste Bilder und Skulpturen der 1991 in Italien geborenen und zur Zeit in Zürich lebenden Künstlerin. 

Lorenza Longhi (*1991, Lecco, IT, wohnt in Zürich) studierte an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand und an der écal in Lausanne. Sie hat in ganz Europa ausgestellt und hatte Einzelausstellungen bei Bungalow, Berlin, Fanta MLN, Mailand, La Plage, Paris, und Plymouth Rock, Zürich. Sie war eine Teilnehmerin der Ausstellung Sommer des Zögerns in der Kunsthalle Zürich in 2020. In 2020 hat sie sowohl den Shizuko Yoshikawa Advanced Award for Young Women Artists und den Swiss Emerging Artist Prize von Société Générale gewonnen. Sie ist Mitbegründerin der Mailänder Armada (2014-2018), ein von Künstler*innen und Kunstinteressierten betriebener Ausstellungsraum. Ihre Arbeiten sind zur Zeit Teil der Ausstellung FUORI 2020 im Palazzo delle Esposizioni in Rom, kuratiert von Sarah Cosulich und Stefano Collicelli Cagol.

 

Juni

05 Sa