This Week in Zürich #63

In seinem Porträt über Loretta Fahrenholz schreibt Caspar Shaller in Die ZEIT (Nr. 52, 15.12.2016): „Um eine Meisterleistung der Verdrängung dreht sich ihre neuste Videoarbeit, die in ostdeutschen Plattenbauten spielt. Es ist die Geschichte eines Mädchens, Sanna, das in einer Familie von sogenannten Watchers aufwächst, telepathisch begabten Wesen, die die Gedanken anderer überwachen. Sie will weg, auf in die große Stadt, wo ihre Schwester als Sängerin arbeitet.

Eine Clique von urbanen Hipstern spinnt in der Stadt derweil an ihren eigenen Problemen, bis schließlich einige Liebesverwirrungen auf einer Party eskalieren. Während des ganzen Films erklingt ein ominöses Dröhnen, wie die Vorahnung eines schrecklichen Ereignisses. Dazwischen sind körnige Bilder in der Ästhetik einer Überwachungskamera geschaltet. Vor dem Hintergrund von Überwachungsstaat und sich ausbreitendem Neofaschismus erscheint die gelangweilte Endzeitstimmung der Großstadthipster, ihre selbstzentrierte und neurotische Beschäftigung mit nichtigen Kränkungen als die eigentliche, die wahre Gefahr.“ (Den ganzen Artikel gibt es im Netz hier.)

Die Verknüpfung mit dem neuen Faschismus ist nicht aus der Luft gegriffen.  Loretta Fahrenholz liess sich für „Two A.M.“  von Irmgard Keuns Roman Nach Mitternacht inspirieren. In dem Roman, den die deutsche Schriftstellerin 1937 im Exil in Belgien verfasste, beschreibt Keun eine politische Zeit der Umbrüche und den Aufstieg der Nationalsozialisten. Hedonismus, Drogenkonsum, Verdrängung sind also angesagt.

Mit Einführung von Daniel Baumann und Barbetrieb.

12.01. & 09.02.2017, 19:00 Uhr

Am Montag ist dann Matt Mullican zu Gast an der ZHdK im Toni-Areal und wird in einem Talk über sein Werk sprechen. „It’s not the world that you see, it’s the world that I see representing the world that you see.“

16.01.2017, 18:00 Uhr
7. Floor, Room 7.K10 Pfingstweidstrasse 96 8005 Zürich

(organisiert vom Department für Kunst & Medien, ZHdK)

Rebecka Domig
10.01.2017