Reading Rämistrasse #38: Gianna Rovere zu James Bantone bei Coalmine

Ausstellungsansicht mit Barber-Sessel auf einem runden, blauen Teppich

Im wandfüllenden Spiegel sehen sich Betrachter*innen in einer schrillen Szenerie stehen: Ein Barber-Sessel ist auf einem blauen, runden Teppich platziert, die Wände sind grün-weiss gestreift und über und über mit derselben grossformatigen Figur tapeziert. Bei näherer Betrachtung tragen Stuhl und die posierenden Figuren an der Wand dieselbe Uniform: Zusammengenähte Neoprenstücke, die an Patchwork-Decken oder Voodoo-Puppen erinnern. Der in Genf und Zürich lebende Künstler James Bantone (*1992) hat sich mit dem Charakter «Demon» ein Alter-Ego geschaffen, um das sich sein Schaffen seit 2020 dreht. Die Figur ist inspiriert von HIM, einem queeren, non-binären Charakter der Kinder-Kultserie «Power Puff Girls». Als das Andere verkörpert sie*er das ultimative Böse als Gegenspieler*in der der Superheldinnen.

Eine Gruppe Portraits des Gesichts der Künstler über die Gesichter anderer Menschen

In der Einzelausstellung «He Said, They Said» zeigt Bantone neben der installativen Szene auch eine Porträtserie, in der verschiedene Menschen das Gesicht des Künstlers als Maske tragen: Geschlossene Augen, offener Mund, Zähne. Der Künstler fragt in seinen Arbeiten: Was ist Maskulinität? Er untersucht Autobiografisches wie auch Fiktives und erprobt die Bildsprache eines Ortes, wo sich Männer für Gossip treffen und sich im Spiegel betrachten, während ihnen das Messer am Hals liegt. Bantones Arbeiten stechen durch die Stärke und Irritation ihrer klaren Linie hervor: Sie zeigen überraschend scharf und klar durch das Repetieren von Gesten und Körperbildern ein starres, in sich gefangenes Selbstbildnis.

James Bantone: He Said, They Said, Coalmine, Winterthur, 20. November 2020–27. März 2021

Bilder: Coalmine, 2020

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24.03.2021