Peter Fischli & David Weiss

27.03.1993-23.05.1993
Peter Fischli & David Weiss
Deutsch
Week

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Diese Ausstellung mit Peter Fischli & David Weiss erfüllt den langgehegten Wunsch, in der Schweiz neue Werke des Künstlerduos in breiter Form zu zeigen, fand doch hierzulande seit seiner Einzelausstellung in der Kunsthalle Basel im Jahr 1985 keine grosse Werkpräsentation mehr statt. Weiter blieb die Schau “Plötzlich diese Übersicht" anfangs der achtziger Jahre der fulminante Auftakt einer als eher spärlich zu bezeichnenden Ausstellungspräsenz in der Heimatstadt Zürich. Nach einem Schwerpunkt der letzten Jahre auf fotografischen Arbeiten wird dem in den frühen Tonskulpturen und riesigen Polyurethanarbeiten wurzelnden plastischen Strang seines Werkes ein Hauptakzent eingeräumt. Diese neuen Plastiken nehmen Bezug sowohl auf die kleineren installativen Arbeiten in Cham und Bern (1991/92) als auch auf den Kunst am Bau-Beitrag im Neubau der Zürcher Börse, der - in 50 Vitrinen isoliert - Readymades unserer Konsumwelt zeigt, vom Bergkristall bis zum Natel.

Anachronistisch im Vergleich zu unseren Massenproduktionsmechanismen sind unzählige, aus Polyurethan geschnitzte und bemalte Gegenstände des (schweizerischen) Supermarkt-Alltags entstanden. Sie folgen der Devise, dass ihre scheinbare Normalität am meisten assoziativer Spielraum gewährt und sich in der Durchschnittlichkeit des Szenarios am unauffälligsten Wahrheit einstellt: "Der Tisch". Es sind keine Objekte von fetischhafter Symbolkraft, mehr für andere als für sich selber da; es sind Gegenstände mit suggerierten Spuren des Gebrauchs aus der Welt des Malens, Putzens, der Körperpflege, von Hobby und Freizeit: FitnessOrangensaft, Nivea-Creme, Plastikbecken, Farbtuben, Stecker, Alkaselzer, Vim, Hammer, Videokassette mit Schwarzenegger. Hergestellt in lustvollen Exerzitien, kommen die Objekte ihren industriell gefertigten Vorbildern irritierend nahe. Sie sind jedoch unzweifelhaft als kunstvolle Werke der “Bildhauerei" dem allgemeinen Konsumprinzip entrückt. Akkumuliert auf einem monumentalen, tischartigen Sockel, erhebt sich eine Lagerstätte mit der Atmosphäre ateliermässiger Unordnung. Sie entwirft gewissermassen ein unüberschaubares Panorama der heutigen Warenwelt, ambivalent zwischen pseudosoziologischer Sachlichkeit, zeitgenössischem Stilleben und individuellem Befindlichkeitsfeld vermittelnd.

Weniger greifbare Aspekte unseres täglichen Lebens zeigt das “Kanalvideo", das unterirdische Abwassersysteme in geradezu sphärisch werdender Bewegung und Lichtbrechung durchforscht. Dazu gesellen sich andere Aspekte von Heimat und Fremdheit, so etwa in Fotos aus der Serie “Siedlungen, Agglomeration". Mit klischiertem und liebevollem Blick zugleich halten sie fest, wie von Schwammendingen bis Urdorf verwechselbare Formen von Behausung, zwischen Zebrastreifen und geplanten Naturidyllen, gestaltet werden. Die "kleine Welt" webt sich - kaum mehr spitzbübisch wie auch schon - in globale Dimensionen, die beunruhigende Frage nach erfülltem Leben schleicht in das “Zufriedene Vorhandensein", so der Titel einer früheren Arbeit.