Thomas Ruff

25.08.1990-21.10.1990
Thomas Ruff
Porträts Häuser Sterne
Deutsch
Week

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Die Ausstellung vereint drei Serien fotografischer Grossformate – Porträts, Häuser und Sterne – die der deutsche Künstler Thomas Ruff im Laufe der letzten Jahre geschaffen hat und zusammenfassend in freien Konstellationen gezeigt werden. Am bekanntesten sind Ruffs Porträtaufnahmen (von Jugendlichen aus seinem Bekanntenkreis), die mit konzeptueller Konsequenz in rigoroser Nahsicht und büstenhafter Frontalität vor neutralem Hintergrund entstanden:

"Ich glaube nicht daran, dass man heute noch Porträts im herkömmlichen Sinn von "Repräsentation einer Persönlichkeit" machen kann. Das traue ich mir zumindest nicht zu. Deshalb imitiere ich Porträts. Trotzdem findet man in meinen Bildern relativ viel Wirklichkeit. Irgendetwas aus der Welt. Kommendes war ja vor der Kamera: die Person mit Augen, Ohren, Mund, Nase, Hemd, Haarschnitt. Meine Bilder schwanken zwischen absolutem Abbild und künstlicher Konstruktion. Das konkret abgelichtete Objekt kann in abstrakte Farbfeldmalerei umschlagen. " (Ruff)

Ebenfalls die zweite Serie monumentaler Farbfotografien, die "Häuser", zeugt von technischer Sachlichkeit, kristalliner Leuchtkraft und klassischer Motivwahl und leuchtet weniger das Besondere als vielmehr das Generelle aus. Zwar sprechen die fotografierten Industriebauten und arg heruntergekommenen Wohnsiedlungen von sozialen Realitäten, aber auch hier zeigt sich Thomas Ruff keineswegs als Dokumentarist, der Wahrheit im Abbild sucht: "Ich gehe davon aus, dass die Fotografie nur die Oberfläche der Dinge abbilden kann." (Ruff) Er betont die objekthaftstrukturelle Präsenz der ausgewählten Bauten, schafft - distanzierend – autonome bildhafte Qualitäten, eine Meta-Ebene, die einerseits auf die Frage verweist, was überhaupt ein Foto ist und wie es funktioniert, andererseits eine unbeschreibbare Aura des Da-seins entwickelt, die nur vor den Originalen erlebbar wird.

Der möglichst neutrale Blick durch die Kamera wird in der letzten Werkserie der "Sterne" durch die Verwendung schon bestehender Schwarzweiss-Negative ersetzt, die für wissenschaftliche Zwecke entstanden sind. Das Sammeln von Bildern entgrenzt sich in bewusst gewählten Ausschnitten kosmischer Weite, wobei die individuellen Sternenformen im Firmament aufgehen wie die Hautporen im Gesichtsfeld, einzelne Pinselstriche und -tupfer in einem tachistischen Bild oder die von Thomas Ruff fotografierten Personen in allgemeinen Menschheits- und Weltbildern.