Wang Bing

08.12.2018-03.02.2019
Wang Bing
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Besprechungen: Giuseppe di Salvatore in Filmexplorer

Wang Bing spricht am Samstag, den 8. Dezember 2018, um 12 Uhr mit Primo Mazzoni, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Filmpodiums Zürich, über seine Filme.

Wang Bing gehört zu den wichtigsten Dokumentarfilmern der Gegenwart. Er ist bekannt für seine epischen Filme, welche der Arbeitswelt, dem Alltag, den Zwängen und Möglichkeiten der Menschen gewidmet sind. Seine Filme entstehen in China und werden vorwiegend im Westen an Festivals (Venedig Film Festival, Locarno Film Festival u.a.) aufgeführt, aber auch an der documenta 14, Kassel, in Galerien (Chantal Crousel, Paris) und Museen (Centre Georges Pompidou, Paris und Tate Modern, London).

In der Kunsthalle Zürich zeigt Wang Bing die zwei Filme Mrs. Fang (Fang Xiu Ying, 102 min., 2018, Goldener Leopard 2017 für die Kinoversion) und Man with No Name (Wu ming zhe, 99 min., 2010). In beiden Filmen steht ein Individuum mit seiner fragilen Körperlichkeit im Zentrum. Wang Bing folgt Mrs. Fang und dem Mann ohne Namen mit hartnäckigem Respekt und aus grosser Nähe. Seine Filme sind Balanceakte der Intimität und einem harten Realismus verpflichtet. Daraus entstehen Porträts, die uns ebenso lehren, wie auch herausfordern.

Mrs. Fang verfolgt die letzten zehn Tage im Leben der chinesischen Bäuerin Fang Xiuying, einer 68-jährigen Frau, die an Alzheimer erkrankt ist. Sie kehrt zum Sterben in ihren kleinen Heimatort am Flussufer in der südöstlichen Provinz Zhejiang zurück. Dort liegt sie, umgeben von ihrer Familie, von Verwandten und Freunden. Bing zeigt das Leben der Leute, wie sie in der Nacht mit Stromstangen illegal fischen gehen, den Alltag bewältigen, sich um die alte Frau kümmern und über sie und ihr Leben diskutieren. Wie selten im Film und in der Kunst werden hier Alltag und Tod mit solch grosser Zuneigung und Unerbittlichkeit gezeigt. Gerade das aber macht Mrs. Fang so aussergewöhnlich.

Man with No Name zeigt einen Mann, den Bing während den Vorbereitungen für seinen ersten Spielfilm in einem Landstrich ausserhalb von Peking entdeckt hat. Dieser namenlose Mann lebt buchstäblich im Untergrund, das heisst, er haust in Erdlöchern und führt ein Leben in Autarkie. Wang begleitet ihn durch die vier Jahreszeiten hindurch. Nichts und alles passiert, jede Geste ist eine Art Monument, niemand spricht, aber es ist kein Stummfilm – Geräusche sind alles. Daraus ergibt sich ein Porträt, das einem ganz eigenen Zeitgefühl folgt.

«Mich interessiert das Alltagsleben dieser ganz normalen Menschen und ich möchte einfach nicht das wiederholen, was in den Medien eh schon geschrieben steht. Normalerweise gibt man diesen Menschen nicht das Recht, sich zu äußern – sie sind irgendwie stumm – sie haben keine Stimme. Und mit meiner Kamera gebe ich ihnen die Chance, dass sie sich endlich mal äußern dürfen.» – Wang Bing.

Wir haben den in New York lebenden Schweizer Künstler Tobias Madison, ein Filmkenner und Bewunderer von Wang Bing, angefragt, seine Sicht auf die beiden Filme zu schildern.

Beide Filme werden in Kunsthalle Zürich täglich zwei Mal und je abwechslungsweise gezeigt, Sie können jederzeit eintreten. Vorführzeiten:

Man with No Name (Wu ming zhe), 2010, 99 min

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag:
11.15 – 12.54
14.45 – 16.24

zusätzlich am Donnerstag:
18:15 – 19.54

Samstag, Sonntag:
10.15 – 11.54
13.45 – 15.24

Mrs. Fang (Fang Xiu Ying), 2018, 102 min (chinesisch mit englischen Untertiteln)

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag:
13.00 – 14.42
16.30 – 18.12

Samstag, Sonntag:
12.00 – 13.42
15.30 – 17.12

Wang Bing, 1967 geboren, lebt und arbeitet in Bejing.

Wang Bing wurde 1967 in Xi’an, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi, geboren. Er studierte zuerst an der Kunstakademie Lu Xun Academy of Fine Arts in Shenyang im Nordosten von China, dann an der Peking Film Akademie u.a. bei bei Zhou Chuanji (1925-2017). Während der chinesischen Kulturrevolution (1966-1976) hatte Chuanji im Geheimen westliche Filmtheorie ins Chinesische übersetzt. In den 1980er Jahren brachte er von seinen ausgedehnten Reisen tausende von Videokassetten mit Filmen zurück, von u.a. Michelangelo Antonioni, Ingmar Bergman und Andri Tarkovsky, der für Bing zur wichtigen Inspirationsquelle wurde. So auch Pier Paolo Pasolini, von dem Wang Bing sagt, dass alle Filmemacher ihm etwas schulden. (Siehe auch hier)

Dezember

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