This Week in Zürich #45

LAST CHANCE TO SEE

Der Beitrag des Museums Rietberg zum Dada-Jubiläum 2016 heisst Dada Afrika. Die Ausstellung widmet sich erstmals den zahlreichen aussereuropäischen Einflüssen auf die Werke der Dada-Bewegung. In der Revolte gegen die europäischen Vorstellungen von Kunst nutzten die Dadaisten insbesondere afrikanische, asiatische, amerikanische und ozeanische (Kunst-)Werke, um das Publikum zu befremden. Während anderswo Krieg herrschte, tanzten die Exilanten rund um Tristan Tzara, Sophie Taeuber, Marcel Janco im Cabaret Voltaire gegen die hässliche Welt. An den berüchtigten «soirées nègres» veranstalteten sie Maskentänze zu pseudo-afrikanischen Trommelrhythmen und Lautgedichten. Das Wissen der Dadaisten über aussereuropäische Kunst beruhte grösstenteils auf kolonial geprägten Texten und Museen. Und auf den Werken im Besitz von Han Coray: Coray war nicht nur einer der bedeutendsten Sammler afrikanischer Kunst, sondern auch ein wichtiger Mäzen, Kunsthändler und Förderer der Dadaisten. Erstmals wurden 1917 in seiner Galerie afrikanische Werke auf Augenhöhe mit dadaistischen Werken präsentiert. Das Museum Rietberg besitzt einen umfangreichen Bestand der Sammlung Corays und macht es hundert Jahre später nochmals ähnlich: In Dada Afrika stehen der mögliche Inspirant und die Inspiration nebeneinander. So finden sich Marcel Jacos selbst gestalteten Masken neben afrikanischen Originalen wieder, die Ähnlichkeiten ist verblüffend. Obwohl in der Ausstellung starke Zusammenhänge dar- und hergestellt werden, bleibt sie auf den ersten Blick ohne Wertung. Vielmehr wird dem Besucher eine kritische Haltung angeboten, ein persönlicher Dialog mit dem Fremden.

Dada Afrika. Dialog mit dem Fremden 
Museum Rietberg
Bis 17. Juli

 

 


Meister von Buafle
Maske mit Hörnern,
19. Jh., südliche Guro-Region, Elfenbeinküste
Museum Rietberg, Sammlung Han Coray

 


Hannah Höch, Aus einem ethnographischen 
Museum (Denkmal l)
1924 Berlinische Galerie, 
© 2015, Zürich, ProLitteris
Michelle Akanji
14.07.2016