Pipilotti Rist

24.01.1999-21.03.1999
Pipilotti Rist
German
Week

Kunsthalle Zürich
Limmatstrasse 270
CH-8005 Zürich

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Remake of the Weekend à la zurichoise nennt Pipilotti Rist ihre bisher umfangreichste Einzelausstellung in der Schweiz. Sie ist in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie Berlin, der Kunsthalle Wien sowie dem Musée d'art moderne de la ville de Paris entstanden, findet aber in ganz eigener Form statt. Neue Videoinstallationen, sowie ortsbezogene Adaptionen bestehender Werke, weben sich in einen besonderen räumlichen Gesamtzusammenhang, nämlich in die assoziative Grundausstattung einer Wohnung, die für die fiktive Bewohnerin Himalaya Goldstein angelegt wurde. Der entdeckungsreiche Gang durch diesen Mikrokosmos schafft Einsicht in die prozesshaften Verzweigungen und Verschwisterungen eines künstlerischen Werkes, das sich die Errungenschaften der neuesten Medientechnologie mit mühelos scheinendem Schwung zunutze macht. Dabei werden die Wechselwirkungen von Innen- und Aussenwelt, Öffentlichem und Privatem zum unmittelbaren Seh- und Hörabenteuer.

Den Auftakt bildet der landschaftliche Hausumschwung, in dem die "Sonntagmorgenhütte" steht, wie sie sich Kinder in Abgrenzung zur Erwachsenenwelt aus irgenwelchen Utensilien errichten. Den eigentlichen Wohnbezirk betritt man über die Garage. Dort bricht sich die Bildmagie an der Ausstrahlung einer jungen Frau. In wandhoher Projektion bewegt sie sich zwar im vertrauten Hier und Jetzt einer Zürcher Quartierstrasse, doch wirkt die heitere Beschwingtheit ihrer Aggressionsentladungen, die sich - verlangsamt - mittels eines Blütenstengels gegen die geparkten Autos richten, wie von einer anderen Welt. Schreitet deshalb eine passierende Ordnungshüterin keineswegs gegen das anarchistische Zertrümmern ein, das sich von lebensfeindlicher Mechanisierung und Normiertheit freizusetzen scheint? Das Himmelblau des Kleides und das Rot der Lackschuhe sind die Farbattribute der Jungfrau Maria. Diese bringen, ebenso wie die untermalende, an das Summen und Hüpfen von Kindern gemahnende Melodie, Unschuld mit ins Spiel. In dieses versöhnliche Moment mischt sich die Triebhaftigkeit einer Rachegöttin, die sich mächtig für die Natur ins Zeug legt, die sich angrenzend in aufregend-erotischer Blütenfülle zeigt.

Den verschiedenen Videosequenzen von "Remake of the Weekend" hingegen, deren atmosphärischer Rahmen das opulent eingerichtete Wohnzimmer bildet, fehlt es an solch handgreiflicher Präsenz. Die Konturen sind vage, die Bilder als Fragmente durchlässig. Sie sind klein auf und aus Sofas, Lampen und Tischchen heraus projiziert und spuken wie kleine Geister auch durch die ineinandergeschachtelten, virtuellen Wohnräume der Tapetenkulisse: Ein unaufhaltsames Durchdringen verschiedener Dimensionen und Realitätsebenen. Rote Blutkörperchen in ihren Bahnen zirkulieren lautlos, südliche Landschaftsstriche im Dämmerlicht mit drehenden Windmühlenflügeln gleiten vorbei. Ein Autobus parkt oder vermittelt die Sicht nach Aussen durch sein fahrendes Gehäuse. Autostrassen entlang bewegt sich in langem Atem ein Mann, dessen Nacktheit in der Betonödnis seltsam schutzlos wirkt. Nur im Tanz zweier Mädchen über Felsenspitzen am Meeresufer scheint der Himmel zumindest momentan eroberbar, die Sehnsucht nach Aufbruch und Reise gestillt. Auch musikalisch legt sich ein feiner Schleier der Melancholie über "Himalaya Goldsteins Stube".

Im Schwarz und Weiss des Schlafzimmers kehrt Ruhe und zugleich hypnotische Entgrenzung ein. Körperpartikel - "Extremitäten" wie Zunge, Fuss oder Brust - schweben traumtänzerisch durch das nächtliche Dunkel wie Sternschuppen durch das All.