Karen Kilimnik

22.03.1997-19.05.1997
Karen Kilimnik
German
Week

Kunsthalle Zürich
Limmatstrasse 270
CH-8005 Zürich

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In dieser ersten gross angelegten Einzelausstellung der amerikanischen Künstlerin Karen Kilimnik werden raumgreifende Installationen wie beispielsweise “The Hellfire Club - Episode of the Avengers", mit denen sie anfangs der 90er Jahre an die Öffentlichkeit trat, Zeichnungen und Ölmalerei in intimen Formaten zusammengeführt, die in letzter Zeit ihr bevorzugtes Ausdrucksmittel ist.

In ihren Rauminszenierungen, die in den USA als “scatter art" umschrieben wurden, arbeitet Karen Kilimnik neben handgefertigten oder gemalten Elementen mit solchen der Alltagskultur - Fotokopien aus Hochglanzmagazinen, Glitter, Verpackungen, Stoffen, Popsound oder Nippes - bis zu wenig kostbaren oder nachempfundenen Relikten der Historie. Sie breiten sich an Boden und Wand aus, vereinen und zerstreuen sich. Ist auch die jeweilige Konstellation von disparaten Teilen scheinbar instabil und am Rande der bruchstückhaften Vereinzelung, evoziert sie in sozusagen alchemistischer Anverwandlung der gewöhnlichen Dinge eine unterschwellig verdichtete Atmosphäre, ohne einen bestimmten motivischen Ansatz erzählerisch aufzuschlüsseln.

Zeichnungen kombinieren einen etwas verblichenen Modeillustrationsstil mit hingekritzelten Anmerkungen zwischen Gossip, Schlagzeile und Tagebucheintrag. Spezifisch weibliche Träume und Sehnsüchte, durch Frauenpostillen, Fernsehen und Modeanzeigen medial aufbereitet und seit Kindheit genährt, werden Teil ihrer fragilen und verwunschenen Welt. Dies geschieht mit einer obsessiven Hingabe, die sonst einem Teenager eigen ist, der seine Tagträume nicht verlassen will. Einerseits sind blonden Elfen ihre Heldinnen, personifiziert durch Starmodels wie Twiggy oder Kate Moss, die ätherisch-leicht von reiner Unschuld und Schönheit sprechen, andererseits durch Amazonen wie etwa Emma Peel von der in die Jahre gekommenen TV-Serie “The Avengers" (“Mit Schirm, Charme und Melone"), die von dunklen Guerillaphantasien, weiblicher Dominanz und Zerstörung zeugen.

Ruhm, Schönheit und Macht müssen als Bruchstücke einer überzeichneten Realität aus zweiter Hand zusammengetragen und gebannt werden, um an ihrem Glanz (und Elend) teilhaben zu können. Dabei verlieren Klischee und eigene Realität, Mädchenschlafzimmer und Mordschauplatz eine klar konturierte Gegensätzlichkeit, amalgamieren sich krude und doch mit Bravura und Sensibilität. Zwischen femininer Romantik und Terror angelegt, ist es die unironische Wendung der schillernden Vorbilder hin zum Authentischen, die mit seltsamer Magie berührt und spürbar macht, was der mediale Schein an existentiellen Wünschen und Bedrohungen absorbiert.

In der Ölmalerei bildet weniger der Glamour der Mode ein Nährboden als etwa die popularisierte Tradition der englischen Landschaftsmalerei des späten 18. Jahrhunderts, in die sich beispielsweise Szenen aus “Bewitched" einwirken können, einer von Karen Kilimniks Lieblingssendungen. Farbgesättigt und süss-schauerlich mischt sich Obskures, Okkultes, Tierliebe und Naturgewalt.