This Week in Zürich #5

Unsere Schwäche für Nasen kennen Sie, nicht?

Genauer gesagt: unsere Vorliebe für Ästhetik im griechischen Wortsinn, Denken mit den Sinnen, fühlen, hören, sehen – riechen? Diese Woche in Zürich legen wir Ihnen die Nase ans Herz. Beginnend mit obiger Nase, gehörend zum amerikanisch-schweizerischen Künstler, Autor und Vollblutperformer Garrett Nelson. Seine aktuelle Installation Head Bimbo können Sie in der Ausstellung der diesjährigen Werk- und Atelierstipendien der Stadt Zürich im hübschen Helmhaus am Limmatquai sehen (bis 6. September) – «romantic self destruction in a couple of weeks» zum nachfühlen.

Am Flussufer der Sihl, im Haus Konstruktiv, arbeitet sich unterdessen ein Altmeister der Animation an der Nase ab. William Kentridges Schau «The Nose» (ebenfalls bis 6. September) inszeniert Nikolai Gogols gleichnamige Kurzgeschichte von 1836. «Wo hast du denn diese Nase abgeschnitten, du Vieh?» lautet hier die Frage. Sehen und hören Sie die Antwort in Kentridges sinnlichen, allzusinnlichen Filmen, Drucken und Objekten. 

Wer sich dann immer noch die Frage stellt, wie nur wie denn aber die eigene Nase auszuhalten sei, dem (allen) empfehlen wir den Ausflug an den Irchel in die Anatomische Studiensammlung der Universität Zürich (Einzelbesuche Montag bis Freitag 8–12 Uhr). Aufgebahrt in einer Reihe ausserordentlich ansehnlicher Vitrinen begegnen Sie dem Sammlungsschwerpunkt Schädel in seiner unabänderlichen Funktion als «Schutzhülle für das Gehirn und die (...) Seh-, Riech-, Hör-, Gleichgewichts- und Geschmacksorgane.» Ein ästhetisches Muss auch für Laien der Hals-Nasen-Ohrenkunde, Hochnasen und Fussfetischisten.

Julia Moritz