30 JAHRE KUNSTHALLE ZÜRICH

05.02.2015
07.02.2015
30 JAHRE KUNSTHALLE ZÜRICH
Symposium zum 30-jährigen Bestehen
Week

Kunsthalle Zürich
Limmatstrasse 270
CH-8005 Zürich

Tel: +41 (0) 44 272 15 15
Fax: +41 (0) 44 272 18 88

info@kunsthallezurich.ch

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Das Jahr 2015 bringt für uns ein ganz besonderes Ereignis: Die Kunsthalle Zürich wird 30! Zeit zurück, nach vorn und quer zu schauen. Dies wollen wir gemeinsam mit den Protagonist/innen der Kunsthalle Zürich bei einer 2-tägigen Konferenz in der Umbauphase zwischen dem neuen und dem alten Jahresprogramm tun. Wie und warum kam es zur Gründung einer Kunsthalle für Zürich? Welchen Auftrag hatte und hat das Haus im Vergleich zu anderen Institutionen der zeitgenössischen Kunst? Welche künstlerischen Tendenzen wurden und werden fokussiert und mit welchen kuratorischen Methoden und Ansprüchen?

Veranstaltungssprache am Samstag ist Englisch. Der Eintritt an beiden Tagen ist frei.

Am Anfang war – eine Gruppe engagierter Bürger/innen. Zum Auftakt des Symposiums, am Donnerstag, den 5. Februar,  bringen wir die Runde der ursprünglichen Gründungsmitglieder erneut zusammen. Thomas Müllenbach, Peter Bosshard und Urs Stahel diskutieren gemeinsam mit Bernhard Mendes Bürgi (erster Direktor der Kunsthalle Zürich) und moderiert von Bice Curiger die kulturpolitische, örtliche sowie inhaltliche Ausgangslage und die frühen Jahre der Kunsthalle Zürich.

Programm
17:00 Mark Reutter (Präsident Verein Kunsthalle Zürich): Einführung
17:15 Peter Haerle (Direktor Kultur Stadt Zürich): Grusswort
17:30 Podiumsdiskussion "Die Kunsthalle, der 1980er Aufbruch und wer war dabei im Restaurant Weisser Wind?" mit Peter Bosshard (Gründungsmitglied Kunsthalle Zürich), Bernhard Mendes Bürgi (Direktor Kunstmuseum Basel), Thomas Müllenbach (Künstler, Gründungsmitglied Kunsthalle Zürich), Urs Stahel (ehem. Direktor Fotomuseum Winterthur, Gründungsmitglied Kunsthalle Zürich), moderiert von Bice Curiger (Künstlerische Direktorin Fondation Vincent van Gogh Arles, Chefredaktorin der Publikation Parkett, Gründungsmitglied Kunsthalle Zürich)
19:30 Apero

Schreiben die verschiedenen Formen und Inhalte von Ausstellung ihre eigene Kunstgeschichte? Diese Frage ergründen am Morgen des Samstag, 7. Februar 2015, die Kunsthistorikerin Lucy Steeds, der Kurator João Ribas und der Künstler Liam Gillick. Beatrix Ruf (Direktorin der Kunsthalle Zürich von 2001-14) und Daniel Baumann (aktueller Direktor) wollen in ihrer Einführung und Moderation des Tages vor allem die Künstlerinnen und Künstler dazu befragen, welche Konzepte, Ästhetiken und Referenzen für ihre jeweiligen Ausstellungsbeiträge entscheidend waren. Zum Abschluss spekulieren wir in grosser Runde über mögliche Zukunftsentwürfe für das Modell Kunsthalle.  

Programm
10:00 Beatrix Ruf (Direktorin Stedelijk Museum Amsterdam) & Daniel Baumann (Direktor Kunsthalle Zürich): Einführung
10:45 Lucy Steeds (Kunsthistorikerin, Professorin Central Saint Martins, University of the Arts London): "1985 Now: Exhibition Histories", Vortrag zu Ausstellungsgeschichte
11:30 Joao Ribas (Stellvertretender Direktor und Chefkurator Serralves Museum Porto): "Just what is it that makes today's solo exhibitions so different, so appealing?", Vortrag zu monografischen Ausstellungsmethoden
12:15 Liam Gillick (Künstler): "5 Retrospectives and Short Scenario", Vortrag zu retrospektiven Ausstellungsmethoden
13:00 Mittagspause (mit Suppen von 401dishes)
14:00 Künstlergespräche mit General Idea, Stephan Dillemuth und Tobias Madison
16:45 Kaffeepause
17:00 Podiumsdiskussion "Die Kunsthalle, die 00Jahre und wie schauen wir in die Zukunft?", moderiert von Beatrix Ruf & Daniel Baumann

Referent/innen
Lucy Steeds ist Autorin, Professorin und Editorin für die Geschichte und Theorie von Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Sie gibt die Publikationsreihe "Exhibition Histories" des Kunstmagazins Afterall heraus und leitet den gleichnamigen Studiengang an der Central Saint Martins, University of the Arts in London. Zu ihren aktuellen Veröffentlichungen zählen der Sammelband "Exhibition" in der Reihe "Documents of Contemporary Art" der Whitechapel Gallery (MIT Press, 2014) sowie "Making Art Global (Part 2): ‘Magiciens de al Terre’ 1989" (Afterall Books, 2013). Zuvor war Steeds in der Ausstellungsabteilung des Arnolfini Centre for Contemporary Art in Bristol und als Dozentin an der Ruskin School of Art in Oxford tätig. Ihre Promotion in Kulturgeschichte absolvierte sie am Goldsmiths College, University of London. Ihr Einführungsvortrag für dieses Symposium wird einen Überblick über die verschiedenen Denkweisen von Ausstellungen und Ausstellungsgeschichten geben, zum Beispiel anhand bestimmter Konstellationen der Jahre 1985, 1995 und 2005.

João Ribas ist Stellvertretender Direktor und Chefkurator des Serralves Museum für Zeitgenössische Kunst in Porto, Portugal. Zuvor war er Kurator am MIT List Visual Arts Center (2009-13) sowie am Drawing Center, New York (2007-09). Ribas ist viermaliger Träger des AICA Exhibition Awards (2008–11) und eines Emily Hall Tremaine Exhibition Award (2010). Zu seinen kürzlich realisierten Ausstellungen zählen Projekte zu/mit Chris Marker, Nairy Baghramian, Akram Zaatari, Joachim Koester, The Otolith Group, Frances Stark, Stan VanderBeek, Manon de Boer, Unica Zurn, and Ree Morton. Zudem veröffentlicht er in zahlreichen internationalen Publikationen und Magazinen, wie Artforum, ArtReview, Mousse, Afterall, The Exhibitionist, Artnews Art und Art in America. Sein nächstes Buch "In the Holocene" (Sternberg, 2014) widmet sich der Idee von Kunst als spekulative Wissenschaft. Sein Vortrag für dieses Symposium wird die Geschichte und Methode der Einzelausstellung behandeln und am Beispiel der Kunsthalle Zürich konkretisieren.

Liam Gillick ist ein in New York lebender Künstler. Nach seinem Studium am Goldsmiths’ College hatte er im Jahr 1989 seine erste Einzelausstellung in der Galerie Karsten Schubert in London. Seitdem wurden Gillicks Arbeiten in zahlreichen wichtigen Ausstellungen gezeigt, wie z.B. auf der documenta oder den Biennalen in Venedig und Berlin. Museale Einzelausstellungen waren im Museum of Contemporary Art in Chicago, dem Museum of Modern Art in New York sowie der Tate in London zu sehen. Seine Werke sind ausserdem Bestandteil etlicher bedeutender öffentlicher Sammlungen, wie des Centre Pompidou in Paris, des Guggenheim Museum in New York und in Bilbao oder dem Museum of Modern Art in New York. In den letzten 15 Jahren hat sich Gillick auch als Autor und Kritiker für zeitgenössische Kunst einen Namen gemacht, zum Beispiel mit Veröffentlichungen in Artforum, October, Frieze und dem e-flux Journal sowie zahlreichen Buchpublikationen und einer Anthologie seiner Texte. Grössere Arbeiten im öffentliche Raum befinden sich im Gebäude des British Government Home Office (Innenministerium) in London und dem Lufthansa Hauptquartier in Frankfurt.   Parallel erweiterte Gillick seine Praxis ausserdem um experimentelle und kollaborative Projekte, u.a. mit den Künstler/innen Philippe Parreno, Lawrence Weiner und Louise Lawler. Für dieses Symposium präsentiert er eine Rückschau auf seine fünf Ausstellungen in der Kunsthalle Zürich und wie diese widerrum versuchten, das Rückschauen neu aufzugreifen.

General Idea war ein Kollektiv von drei kanadischen Künstlern: Felix Partz, Jorge Zontal und AA Bronson, die von 1967 bis 1994 in Toronto und New York aktiv waren. Als Pioniere der frühen konzeptuellen und medienspezifischen Kunst wurde ihre Zusammenarbeit ein Modell für künstlerinitiierte Aktivitäten und hat bis heute Einfluss auf nachfolgende Generationen von bildenden Künstlern. General Ideas Arbeiten setzen sich mit Formen der populären und Medienkultur, darunter Schönheitswettbewerbe, Boutiquen, Fernseh-Talkshows und Massenmedien auseinander. Ihr Werk manifestiert sich oft in unkonventionellen Formaten wie Postkarten, Drucke, Plakate, Tapeten, Luftballons, Kämmen und Nadeln. Von 1987 bis 1994 thematisierte General Idea mit einer rund 75 temporäre Kunstwerke umfassenden Werkreihe im öffentlichen Raum die Aids-Krise. Felix Partz und Jorge Zontal starben 1994 an AIDS. AA Bronson arbeitet weiterhin als freischaffender Künstler und war Direktor von Printed Matter, Inc. in New York von 2006 bis 2011.  Gemeinsam mit Mark Krayenhoff wird er auf diesem Symposium über die Ausstellung "General Idea: Found Formats" sprechen, die im Jahr 2006 in der Kunsthalle Zürich zu sehen war.

Stephan Dillemuth begreift seine Möglichkeiten als bildender Künstler vor dem Horizont der sich verändernden modernen Öffentlichkeit. Im Nachdenken über die eigene Rolle und künstlerische Handlungsmöglichkeiten geht er beispielweise der Frage nach, inwieweit Selbstorganisation, persönliche und kollektive Integrität im Rahmen unserer Kontrollgesellschaft herzustellen sind. Kunst schafft für ihn mit den ihr innewohnenden Methoden der Reflexion, Analyse und des Experiments zwar Schönheit, besitzt aber auch ein gesellschaftsveränderndes Potenzial. Mitunter untersucht Dillemuth zur Überprüfung aktueller Fragestellungen historische Bewegungen (zum Beispiel die Lebensreformbewegung oder alternative Erneuerungsversuche der 1970er Jahre) und gesellschaftliche Umbruchsituationen (Räterepublik), stellt seine eigenen Recherchen jedoch stets mit experimentellen künstlerischen Mitteln in Frage und führt sie so zu neuen Ergebnissen. Das Resultat dieser Experimente sind Installationen, Inszenierungen und kollaborative Arbeiten ebenso wie Videos, Vorträge und Publikationen. Auf diesem Symposium wird Dillemuth das Projekt "How to cook a Wolf" (das die Kunsthalle Zürich über das Jahr 2007 hindurch realisierte) und seine Wahlverwandtschaften sowie die Qualitäten der Boheme als künstlerisches Forschungsfeld thematisieren.

Der Schweizer Künstler Tobias Madison nutzt Video, Software und neue Medien als Mittel der dauerhaften Aufnahme, Zirkulation und des Denkens. In vielen Fällen entstehen seine Werke in Zusammenarbeit mit einem wachsenden Kreis von Menschen, ob Künstler/innen, Freund/innen, Musiker/innen, Designer/innen, Student/innen oder zufällig angetroffene Leute. Auf diese Weise schafft Madison Räume der Aktion und Interkation, die konventionelle Strukturen und herkömmliche Denkweisen problematisieren. Einzelausstellungen solcher Werke wurden in der Kunsthalle Zürich (2013), dem Swiss Institute (New York, 2010) und der Galerie Francesca Pia gezeigt. Kürzliche Gruppenausstellungen umfassen: Kunsthalle Fridericianum (Kassel, 2014), Glasgow International (2014), Carnegie International (Pittsburgh, 2013), Arnolfini (Bristol, 2013), Moscow Museum of Modern Art (2012) und New Jerseyy (Basel, 2009). Madison wurde eingeladen, die Reihe der Künstlergespräche auf diesem Symposium mit seiner Sicht auf die Ausstellung "Image over Image" (2012) der im letzten Jahr verstorbenen Künstlerin Sturtevant abzuschliessen.