Tag: Reading Rämistrasse

14.04.2021

Reading Rämistrasse #42: Mateo Chacon-Pino zu Kinke Kooi bei Galerie Bernhard

Aufquellende Körper, sich um die Augen rankende Pflanzen und Blumen, unendliche Fraktale schlängeln sich durch die Bildwelt der niederländischen Künstlerin Kinke Kooi. Die Ausstellung zeigt Werke aus den frühen 2000er bis heute. Sie stellt dem Zürcher Publikum eine Künstlerin vor, die es über die Jahre geschafft hat, figurative und abstrakte Elemente, beispielsweise Pflanzen und Fraktale, in zärtlicher Verbundenheit zusammenzubringen. Das dicke Papier, auf dem Kooi malt, erscheint fleischig, die fraktalen Formen drehen sich um abstrakte Geometrie, Korallenriffe und wulstige Körper. Ob es eine Brust oder ein Seeigel, eine Frucht oder ein dickes Laubblatt ist, die sich erkennen lassen – es sind lustvolle, erotische Bilder einer intimen Auseinandersetzung mit der Malerei und der Welt. Kooi setzt nicht die künstlerische Geste ins Zentrum, sondern die darstellerischen Möglichkeiten und die Beziehungen von Welt und Mensch in gegenseitiger Fürsorge: Referenzen an wissenschaftliche Pflanzendarstellungen, wie etwa jene von Maria Sibylla Merian, die sich zwischen Perlenketten und Haut ins Zentrum des Bildes ränken, deuten die Wissenschaft von einer objektivierenden Tätigkeit zu einer Hingabe um.

 

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09.04.2021

Reading Rämistrasse #41: Julia Künzi zu Dominic Michel im Hamlet

«Over the bed, under the skin, inside the head» lautet der Titel von Dominic Michels Ausstellung im Ausstellungsraum Hamlet. Er suggeriert etwas Musikalisches, ein Kreuzreim in angenehmem Takt, nicht zu langatmig, eingängig. Vielleicht auch unfertig. Es könnte ein Refrain aus einem Popsong sein, eine Kollaboration der Rolling Stones, T.A.T.U. und den Talking Heads. Tauscht man die Subjekte, ergibt sich eine leichte Bedeutungsverschiebung, dennoch ist klar, was in der Aufmerksamkeit steht: der Körper und das Bett, in welchem er sich ausruht.

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05.03.2021

Reading Rämistrasse #36: Aglaia Brändli & Johanna Vieli zu .CH in der Mai 36 Galerie

 

Teil 1: Die Einladung

Anlass zu dieser Ausstellungsbesprechung hat die irritierende Einladungskarte der Mai 36 Galerie gegeben. Auf weissem Grund ist darauf eins zu eins das Schweizer Länderkennzeichen abgebildet, das normalerweise gut sichtbar am Heck von Kraftfahrzeugen klebt. Die Buchstaben C und H, oval umrandet, markieren als Logo die nationale Identität von Schweizer Vehikeln im ausländischen Strassenverkehr. Hier, auf der Einladungskarte, wird der CH-Kleber zum «Brand» einer Ausstellung, die unter dem Decknamen der Confoederatio Helvetica eine Gruppe von sieben Künstler*innen zusammenbringt.

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17.02.2021

Reading Rämistrasse #35: Mateo Chacon-Pino on the Verbier Art Summit

The 1815 Treaty of Paris declared Switzerland neutral ground between European powers, and in the second half of the 20th century Switzerland extended its contemporary neutral reputation as host of the UN and other NGOs, with the WEF joining the picture in 1971. It is not surprising that this alpine country now hosts two internationalist art summits on the same winter weekend: the Verbier Art Summit (VAS) and E.A.T., the Engadin Art Talks.

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28.01.2021

Reading Rämistrasse #34: Mateo Chacon-Pino zu Contemporary Debates on the Ecological Crisis beim Migros Museum für Gegenwartskunst

Es gibt eigentlich drei Arten, wie wir mit der pandemiebedingten Verschiebung ins Digitale und dem damit einhergehenden Einschluss in die eigene Wohnung umgehen: Frustration und Wut über die Situation und den Mangel an sozialen Veranstaltungen, konsternierte Akzeptanz, dass es so ist, wie es ist, oder enthusiastischer Tatendrang, neue Tools von den tausenden Entwickler*innen auszuprobieren. Entsprechend gross ist dann die Genugtuung, wenn ein Online-Symposium von einem Haufen Talking Heads zu einem tatsächlichen Denk- und Reflexionsraum wird, anders als frühere, analoge Symposien, deren Teilnahme meist nur durch den gemeinsamen Automatenkaffee gerechtfertigt wurde.

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15.01.2021

Reading Rämistrasse #33: Daniel Baumann zu Grand miniature von Sentiment

Keine schlechte Idee, einen neuen Off-Space mit einer Sammlung von Modellen zu eröffnen, denn ein Ausstellungsraum ist immer auch ein Modell. Dasselbe gilt für die Ausstellung, das Museum, das Theater, den Konzertsaal, sowie die Kunst überhaupt. Ihre Wirkungsmöglichkeiten liegen zwischen Realität und Fiktion – sind utopisch, kritisch oder beschränkt. Das Leben findet freilich draussen statt, Lockdown hin oder her.

 

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